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13.03.2015
Fachleute raten von Museum ab
Bereits vor einiger Zeit hat CSU-Landtagsabgeordneter Alexander König in Sachen Humboldt-Haus in Bad Steben die Initiative ergriffen und eine Delegation der bayerischen Landesstelle für nichtstaatliche Museen eingeladen, um das Humboldt-Haus einer eingehenden, objektiven fachlichen Prüfung zu unterziehen.

„Die Mitarbeiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen beraten die mehr als 1200 nichtstaatlichen Museen in Bayern bei Neuplanungen und allen fachlichen Fragen, die sich im Museumsalltag ergeben. In dem Schreiben, das ich jetzt von der Mitarbeiterin Dr. Isabel Reindl erhalten habe, kommen die ausgewiesenen Museumsexperten zu einem sehr ernüchternden Urteil bezüglich des Humboldt-Hauses samt seinem vorhandenen Inhalt“, informiert Landtagsabgeordneter Alexander König. Nach dem Ortstermin von Dr. Isabel Reindl und Dr. Alexander Weißmann in Bad Steben (die Frankenpost berichtete) haben die beiden führenden Mitarbeiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen jetzt ihre Beurteilung zum Humboldt-Haus detailliert und schriftlich abgegeben. „Ohne erheblichen finanziellen investiven wie betrieblichen und personellen Aufwand, ist es nicht möglich, einen funktionierenden Museumsbetrieb nach den entsprechenden Standards zu gewährleisten. Aus finanziellen und inhaltlichen Gründen ist von einer Museumsplanung mit dem Schwerpunkt Humboldt grundsätzlich abzuraten“, so das Fazit der Museumsexperten. In dem Schreiben von Reindl und Weißmann heißt es weiter, dass es nicht damit getan ist, die Immobilie zu sanieren, eine Ausstellung einzurichten und ab und zu für die Öffnung des Hauses zu sorgen, sondern es bedarf vor allem der persönlichen Pflege des Museums nach den gültigen, sogenannten ICOM-Standards „Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln“. Um diese Standards zu erfüllen, bedarf es vor allem auch einer dem Museum zugrunde liegenden Sammlung. „Diese ist nicht vorhanden, da die Mineraliensammlung zwar durch Alexander von Humboldt angelegt, aber nicht mehr auf seinen Anteil hin überprüfbar ist. Auch die vorhandenen Einrichtungsgegenstände wie Möbel und Bilder haben leider keinerlei Bezug zu Humboldt und sind damit als Grundstock für eine aussagekräftige Museumssammlung ungeeignet“, so das Urteil von Dr. Isabel Reindl und Dr. Alexander Weißmann nach eingehender Prüfung. Die beiden Museumsexperten haben sich auch mit der Frage beschäftigt, ob es sinnvoll sein könnte, eine Mischnutzung des Hauses anzustreben: vorstellbar wäre eine Tourismusinformation mit angedockter Humboldtgedenkstätte. Beide Fachleute fanden allerdings keine nachvollziehbare Lösung, den damit verbundenen Kosten-Nutzen-Aufwand zu rechtfertigen oder den nötigen finanziellen und personellen Aufwand zu decken. „Wer das Humboldt-Haus und dessen Inventar kennt, für den ist die nüchterne Beurteilung durch die Mitarbeiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen keine wirkliche Überraschung“, macht Landtagsabgeordneter Alexander König nach Erhalt des Schreibens deutlich. Dr. Reindl und Dr. Weißmann stimmen mit König überein, dass das von Alexander von Humboldt für drei Jahre bewohnte Haus aus dem Jahr 1782 für das Ortsbild von Bad Steben eine außerordentliche Bedeutung hat und für die Geschichte der Marktgemeinde bis heute wichtig und prägend ist. „Aber hier besteht keinerlei Gefahr in Verzug, da das Humboldt-Haus als Immobilie auch weiterhin Bestand haben wird. Falls sich trotz der warnenden Hinweise der zuständigen Fachstelle ein Investor finden lässt, rennt derjenige in Bad Steben sicherlich offene Türen ein“, so Landtagsabgeordneter Alexander König.